Gravel-Tour · Chiemsee
Die große Zwei-Länder-Runde: von Ruhpolding über die Grenze nach Tirol zum Walchsee und weiter an den Chiemsee. 125 Kilometer, 1.210 Höhenmeter — zwei Länder, ein See, viel guter Kaffee.

Zwei Länder, ein großer See und eine ordentliche Portion Kaffee — diese Runde ist die längste Tagestour der Sammlung und gleichzeitig eine der abwechslungsreichsten. 125 Kilometer, gut 1.200 Höhenmeter, dazu der Grenzübertritt nach Tirol und zurück: Das ist kein Nachmittagsausflug, sondern ein ganzer Tag im Sattel, für den man früh aufstehen und die Beine frei haben sollte.
Vom Kurpark in Ruhpolding rollt man sich erst gemütlich warm, bevor die Strecke nach Süden zieht und über stille Talwege die Grenze nach Österreich überquert. Im Kaiserwinkl rund um den Walchsee öffnet sich das erste große Panorama: das Massiv des Zahmen Kaisers über den weiten Mooren und Wiesen, dazu der türkis schimmernde Walchsee — Land Nummer zwei ist erreicht, und es fühlt sich gleich nach Urlaub an. Der Untergrund wechselt hier ständig: mal fester Kies durch lichten Wald, mal eine ruhige Nebenstraße über offene Felder, immer wieder unterbrochen von kurzen, knackigen Anstiegen, die einen wach halten. Wer früh genug unterwegs ist, fährt durchs goldene Morgenlicht, in dem der Tau noch auf den Gräsern liegt und die Reifen einen feinen Staubschleier hinter sich herziehen — die schönste Stunde des ganzen Tages.

Über das Achental geht es zurück nach Bayern und weiter ins Priental nach Aschau. Hier wartet mit dem Café Rosa der erste Kaffeestopp — und ab jetzt ist der Chiemsee nicht mehr weit. Am bayerischen Meer entlang rollt es sich herrlich flach: weite Blicke übers Wasser, Schilfgürtel, Segelboote und mit etwas Glück die Alpen als Spiegelbild auf der Seefläche. Hier lohnt der erste längere Stopp am Ufer — Schuhe aus, kurz die Beine ins kühle, türkisgrüne Wasser, den Blick über den See zu den Bergen schweifen lassen. An warmen Tagen ist ein Sprung in den Chiemsee die beste Belohnung der Halbzeit; danach trägt einen die Pause leicht durch die zweite Hälfte. Wer mag, schiebt eine kleine Brotzeit am Strand ein, bevor es weitergeht.

Die zweite Hälfte ist ein langer, gleichmäßiger Bogen zurück Richtung Berge. Bei Kilometer 101 lohnt der Stopp bei den Kava Coffee Roasters — ernsthafter Kaffee genau dann, wenn die Beine ihn brauchen. Von dort sind es noch gut zwanzig Kilometer zurück nach Ruhpolding, wo das Café WANDL den Schlusspunkt setzt. Nach 125 Kilometern und zwei Ländern an einem Tag schmeckt der letzte Kaffee doppelt gut.